Januar 2012

Verfasst von Oliver Kaiser am 23 January 2012 | 0 Kommentare

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In den Kirchen wird es immer lauter. Bei gut besuchten Gottesdiensten kann man immer öfter einem Lärmpegel begegnen, der die ganze Zeit nicht verstummt. Oft wird dieser Krach verursacht durch Menschen, die an einer Taufe, Trauung oder ähnlicher Feier als Gäste dabei sind, die aber kein Gespür haben für den Gottesdienst und seinen besonderen Raum. 

Auch bei uns ist es manchmal laut in der Kirche. Bei uns verleitet wohl besonders der vertraute Rahmen – man kennt sich und trifft Bekannte – dazu, noch schnell der anderen in der Reihe was zu erzählen und sich was erzählen zu lassen. Ein Problem? Ich würde eindeutig sagen: JA. Deswegen habe ich mich schon gelegentlich dazu verleiten lassen, nach dem Vorbild von Taizé ein Schild mit der Aufschrift „Stille“ in die Hand zu nehmen und mich damit schweigend vor die Gemeinde zustellen. Erst als es dann wirklich still geworden war, begann der Gottesdienst.

Dass Gemeindemitglieder sich kennen und sich was zu erzählen haben, ist toll. Es ist toll, dass die Institution des regelmäßigen Treffens nach dem Gottesdienst immer selbstverständlicher geworden ist und die Gemeinschaft gestärkt wird.

Mein Problem, das ich mit dem Schnack in der Kirche habe, liegt ganz wo anders. Ich finde es schade, wenn es ausgerechnet in der Kirche zu laut ist, weil Gott leise ist. Diese Wirklichkeit schreit nicht, dröhnt nicht, übertönt nicht. Und wenn wir zu laut sind, dann hören wir sie nicht und sagen am Ende noch dreist „Gott gibt es gar nicht“. Das ist übrigens nicht nur in der Kirche so, sondern für viele ein andauerndes Alltagsproblem. Überall und immerzu ist es so laut, voll und hektisch, dass „Gott“ nicht gehört werden kann und schlicht für abwesend gehalten wird.

Wo sollten wir lernen, uns selbst zurück zu nehmen, um Gott zu empfangen, wenn nicht in der Kirche? 

Wie sollten Kinder das Geheimnis in der Kirche erspüren, wenn nicht durch Erwachsene, die da sitzen und wirklich lauschen?

In der Kirche ist Reden Silber, weil es die Gemeinschaft nährt. Schweigen aber ist mehr als Gold, weil es uns den Unsagbaren hören lässt.

Herzlich grüßt Sie und Euch
Oliver Kaiser, Pfr.


Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle das ewige Leben haben · Jh 3,16