April 2011

Verfasst von Oliver Kaiser am 31 March 2011 | 0 Kommentare

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Liebe Schwestern und Brüder,

In der dieser Fastenzeit beschäftigen wir uns an vier Gesprächsabenden mit dem „Pascha-Mysterium“. Zusammenfassend und auch für alle, die nicht dabei sein konnten, möchte ich einige Gedanken wiederholen, die ich schon einmal an dieser Stelle geäußert habe:

„Es mag ja für Jesus sehr beglückend sein, dass er vom Tod zu neuem Leben erweckt wurde. Aber hat das eigentlich mit mir was zu tun? Wenn ich mir Osterbilder der westlichen Kirche ansehe, auf denen der Auferstandene selig über dem Grab schwebt, stellt sich mir diese Frage immer ganz besonders. Schön für ihn – und ich? Man möge einem Priester diese etwas flapsige Ausdrucksweise verzeihen. Aber ich sehe bei vielen die Schwierigkeit, zu Ostern einen persönlichen, existentiellen Zugang zu bekommen. Kommt Ostern irgendwie bei mir an? Berührt das auch mein Leben? Vielleicht hat diese Schwierigkeit ein wenig zu tun mit der Art und Weise, wie wir kirchliches Feiern verstehen und missverstehen. Ostern – und auch die anderen christlichen Feste - werden meist sehr statisch aufgefasst als Erinnern bzw. Gedenken eines früher geschehenen Ereignisses, vor dem man jahrtausende später staunend steht – oder viele eben auch nicht mehr stehen, weil der Abstand einfach zu groß ist. Mir scheint, dass die frühen Christen Ostern viel dynamischer erlebten. Das fängt schon damit an, dass sie das Fest gerade nicht Ostern nannten, sondern sie feierten „Pascha“. Das deutsche Wort „Ostern“ und das verwandte „Easter“ im Englischen haben wohl eine gemeinsame germanische Herkunft und bedeuten soviel wie Aufgang (der Sonne) oder Auferstehung. Viele, viele andere Sprachen sind aber bei dem ursprünglichen Namen geblieben: Pascha. „Pascha“ ist das Fest, an dem das Volk Israel seine Befreiung aus der Versklavung in Ägypten feiert. Aber eben nicht so, dass man nur daran denkt, was früher war. Wer das Pascha feiert, soll zu allen Zeiten sich so ansehen, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen. Es geht also um Teilhabe. Es geht um mich. Ich bin mit drin. Raum dieser Realpräsenz, des Eintretens in die erlösende Dynamik Gottes, ist die Festfeier. Das gleiche gilt eigentlich auch für das Pascha der Christen, das durch das Sterben und Auferstehen Jesu Christi eine noch weitere Bedeutung erfahren hat. Wenn wir das Pascha feiern, dann ziehen wir mit Mose aus Ägypten aus in das Land der Freiheit und mit Christus gehen wir vom Tod zum Leben. Die wichtigsten Inhalte des christlichen Glaubens entfalten ihre Dynamik nicht, indem ich über sie nachgrüble, sondern indem ich sie feiere und mich in sie hinein nehmen lasse. Die Wirklichkeit, die wir Gott nennen, die Israel den Freiheitsimpuls gab und die Jesus auferweckte, diese Wirklichkeit ist für uns heute.“

Feiern wir also miteinander Pascha! Sie sind eingeladen, mit auszuziehen – ohne nasse Füße!

Herzlich grüßt Sie und Euch

Pfr. Oliver Kaiser


Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle das ewige Leben haben · Jh 3,16