Mach's wie Gott – werde Mensch!
Liebe Schwestern und Brüder,
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Mach’s wie Gott, werde Mensch!“ Dieser Satz unbekannter Herkunft, der oft zitiert wird, enthält das Geheimnis von Weihnachten und ist zudem eine Kurzformel des christlichen Glaubens. Es klingt so einfach, ja, eigentlich banal, aber es erweist sich im Leben doch immer wieder als ziemlich schwierig. Warum soll ich denn erst Mensch werden ? Ich wurde doch als Mensch geboren und bleibe es auch mein ganzes Leben lang. Offensichtlich wird hier mit den verschiedenen Bedeutungsebenen des „Menschseins“ gespielt. In biologischer Hinsicht ein Mensch zu sein ist demnach noch nicht ein Menschsein in vollem Sinn.
Wie aber kann ich denn ein solcher Mensch werden, der es „wie Gott macht“? In erster Linie ist es gar nicht das Ergebnis meiner eigenen Anstrengungen, ich muss mich nicht zum Menschen „hocharbeiten“, sondern den ersten Schritt macht Gott. Denn Gott nimmt in Jesus Christus menschliche Gestalt an, er verkleidet sich nicht als Mensch, sondern ist wahrhaft Mensch. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“, so klingt es in mystisch-poetischer Sprache im Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1,14a). Das heißt nichts anderes, als dass Gott „ja“ sagt zum Menschen, so wie er ist, in seinem „Fleisch“, was mehr bedeutet, als nur das Fleisch, das das Skelett umhüllt. Es bedeutet die ganze menschliche Existenz mit ihren Freuden und Leiden, aber letzten Endes vor allem mit ihrer Sterblichkeit. „Alles Sterbliche ist wie das Gras und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, wenn der Atem des Herrn darüberweht. Wahrhaftig, Gras ist das Volk“, so heißt es beim Propheten Jesaja (Jes 40, 6b.7). Sollen diese düsteren Verse unsere Vorfreude auf Weihnachten verdunkeln? Nein, das sollen sie nicht. Sie machen uns nur unmissverständlich klar, wie es um uns und unser Leben steht. Vor diesem Horizont relativiert sich manches, was uns in unserem Leben als wichtig und unverzichtbar erscheint. Das kann für jede und jeden etwas anderes sein, es kann materiell sein, wie ein schickes Auto, teurer Schmuck, das neueste Smartphone…die Liste lässt sich beliebig vervollständigen. Es kann aber auch immateriell sein, wie Erfolg, Bewunderung, Macht, Einfluss…auch diese Liste lässt sich beliebig vervollständigen.
All das gibt uns Bestätigung, Lebensqualität, sicher; aber es kann uns auch abhängig machen. Irgendwann können wir nicht mehr ohne diese „Krücken“ für unser Ego leben. Und dann? Das Ereignis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus zeigt uns, dass Gott uns, seine Geschöpfe, nicht verloren gegeben und dem Tod anheimgegeben hat, sondern sie ins Leben führen will, in ein Leben, das unzerstörbar und nicht abhängig ist von bestimmten Faktoren, die den Wert dieses Lebens bemessen wollten. Dieses Leben ist dann auch nicht mehr durch den Tod zu zerstören, auch wenn der leibliche Tod für uns eine schmerzliche Realität bleibt, so ist ihm doch die letzte Macht, die uns verzweifeln lassen kann, genommen. Gott ist sich nicht zu schade, Menschengestalt anzunehmen und als Mensch zu leben. Das ist das Unerhörte, das Tröstende und das Befreiende an der Botschaft von Weihnachten. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“, sagt uns das Kind von Betlehem als Erwachsener zu (Joh 10,10b). In diesem Sinne wünsche ich uns eine gesegnete Zeit.
Ihr/Euer
Jörn Clemens, Vikar
Gott Mann oder Frau?
Liebe Schwestern und Brüder,
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Ist Gott Mann oder Frau? Auch wenn den meisten wohl die Antwort „weder noch“ irgendwie klar ist, gibt es doch immer wieder ein Ringen um die angemessene Sprache, wenn über Gott und zu Gott gesprochen werden soll.
Da fällt zweifellos auf, dass in der Tradition ein ‚männlicher’ Gott überwiegt. Er ist Schöpfer, König, Herrscher, Vater. Manch einer und auch manch einem ist das zu viel. Darum wird in unserem Bistum seit etlichen Jahren bei der Erstellung oder Überarbeitung von Texten für den Gottesdienst darauf geachtet, kein einseitig männliches Gottesbild zu forcieren. Z.B. beginnen viele Gebete bewusst mit der einfachen Anrede „Gott“, die durch einen erläuternden Satz ergänzt wird.
So heißt es dann nicht mehr „Gott, Schöpfer des Alls“ oder gar „Gott, Herrscher des Alls“ sondern „Gott, du hast den Himmel und die Erde erschaffen.“ In diesem Zusammenhang „herrscht“ Gott in der alt-katholischen Gebetssprache auch meistens nicht mehr, sondern „wirkt“.
Und in der ‚Bibel in gerechter Sprache’ kann man seit 2006 zu Weihnachten sogar vom Lichtglanz der Lebendigen lesen, der die Hirtinnen und Hirten umstrahlte.
Einerseits habe ich ein Verständnis dafür, dass Menschen versuchen von Gott so zu sprechen, dass die Sprache nicht gleich zum Hindernis wird, um sich mit Gott zu beschäftigen.
Und andererseits empfinde ich doch Unbehagen darüber, wie der Mensch von heute am Herrgott ‚herumdoktert‘.
Ist das nicht hochmütig, wenn man zumindest den Anschein erweckt, Gott irgendwie näher zu kommen, indem man ihn möglichst angemessen ausdrückt?
Übrigens habe ich dieses Unbehagen nicht nur, wenn es um Gottes vermeintliches Geschlecht geht, sondern eigentlich immer, wenn Kirchenleute sehr viel über Gott wissen und sagen: „Gott macht, Gott will, Gott hat…“
Ist das nicht manchmal eine Art Götzendienst im Kleid des Religiösen? Eitle Wortklauberei, die auf dem geistlichen Weg nichts ist als Windhauch?
Für mich ist die alles entscheidende Frage: Bringt dich das, was du sprichst, näher zu dem, wovon du sprichst?
Wir sprechen ja nicht von „Gott“, um einen tollen Gedanken zu formulieren. Wir sprechen von der Wirklichkeit, die wir „Gott“ nennen, damit wir sie finden und in ihr leben. Für dieses Sprechen von „Gott“ auf dem geistlichen Weg gelten eigene Regeln. Es braucht vor allem das demütige Bewusstsein, dass alles Sprechen über das Mysterium hilfloses Stammeln ist, nur ein ungenügender Wegweiser. Dieses Bewusstsein ist keine falsche Indignität, sondern notwendig für die, die in der Erkenntnis Gottes voranschreiten wollen.
Zwar locken die vielen Begriffe und Bilder, die wir von „Gott“ kennen, uns an. Insofern sind sie auch wichtig, damit wir anfangen zu suchen, zu fragen, zu beten. Aber wenn es dann darum geht, selbst zu erfahren, wovon wir hörten oder worüber wir sprachen, dann wird jedes Wort, jeder Gedanke, jeder Wunsch zu einem Hindernis. Wir können doch schon einem Menschen nicht wirklich begegnen, wenn wir bereits vor der Begegnung mit ihm alles Mögliche über den anderen im Kopf haben. Wie dann Gott, von dem unsere vorher gemachten Auffassungen bestimmt noch viel unzulänglicher sind als die von einem anderen Menschen?
Eine neue Demut vor Gottes Unaussprechlichkeit scheint mir eigentlich viel fruchtbarer und menschlicher als der unmögliche Versuch, das Phänomen „Gott“ allen mundgerecht zu servieren.
Allen Gottsucherinnen und Gottsuchern wünsche ich reiche Erfahrungen mit der Wirklichkeit, die mit der Sprache so schwer zu nennen ist und in deren Angesicht es einem oder einer zum Glück schon mal die Sprache verschlagen kann.
Mit herzlichem Gruß
Dekan Oliver Kaiser
Merkwürdiger Urlaub
Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,
Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,
Urlaub ist doch eigentlich ein merkwürdiges Phänomen. Immer wieder begegnen mir Leute, die schwärmen von der tollen Zeit, von dem faszinierenden Land. Die nächste Reise ist auch schon wieder geplant, wenn gerade noch vom letzten Urlaub erzählt wird.
Und sie fügen noch hinzu, dass es auch bitter notwendig gewesen sei, mal rauszukommen, der „Akku“ sei „leer“ gewesen.
Ich kann nicht anders – ein bisschen finde ich das merkwürdig. Ich frage mich bei so viel Euphorie für ein paar Tage oder Wochen Urlaub immer: Ja, was ist denn mit der übrigen Zeit, mit dem übrigen Leben? Mögen die den Ort, an dem sie wohnen gar nicht? Haben die keine Freude an ihrer Arbeit? Und müsste man nicht vielleicht auch im Alltag so leben können, dass die unterschiedlichen Aspekte des Lebens im Gleichgewicht sind?
Mir fällt auf, dass die biblische Überlieferung das Menschenleben in andere Rhythmen bettet als in den Wechsel von Arbeitsjahr und Urlaub. Da taucht schon in der priesterschriftlichen Schöpfungsgeschichte der Rhythmus von Tag und Nacht auf. „Es wurde Abend, und es wurde morgen…“ Kann ich diesen täglichen Rhythmus von Anspannung und Entspannung noch so leben, dass ich gesund und ausgeglichen bleibe? Und dann kennt die Bibel einen ganzen freien Tag im Wechsel mit 6 Tagen der Arbeit. In der jüdischen Tradition endet die Woche mit diesem freien Tag (Shabbat), die christliche Woche setzt den freien Tag, den Tag der Auferstehung (Sonntag) sogar an den Anfang. Shabbat wie Sonntag sind dabei nicht einfach Ausruhtage, sondern sie sind Sinnfindungstage in der Begegnung mit den anderen Menschen und der Gottgegenwart in der gottesdienstlichen Feier.
Hat dieser Rhythmus eine Kraft für mein Leben?
Nichts gegen Freude am Reisen und so weiter. Aber ich finde es langfristig doch erfolgversprechender, zuhause einen Alltag in frohmachenden Maßen zu finden und zu leben.
Eine alte Mönchsgeschichte bestärkt mich darin:
Zwei Mönche wollten den Himmel finden. Sie machten sich auf die Suche, verließen ihr Kloster und begannen eine Reise durch die ganze Welt. Nach vielen Jahren befanden sie sich in einer uralten Bibliothek, und es wurde ihnen gesagt, hinter jener Tür dort befände sich der Himmel. Sie öffneten die Tür, gingen hindurch und … waren wieder zu Hause in ihrem Kloster, von dem sie aufgebrochen waren.
Ihnen und Euch wünsche ich eine
„merk-würdige“ Urlaubszeit!
Dekan Oliver Kaiser
Leiser Gott – laute Kirche
In den Kirchen wird es immer lauter. Bei gut besuchten Gottesdiensten kann man immer öfter einem Lärmpegel begegnen, der die ganze Zeit nicht verstummt. Oft wird dieser Krach verursacht durch Menschen, die an einer Taufe, Trauung oder ähnlicher Feier als Gäste dabei sind, die aber kein Gespür haben für den Gottesdienst und seinen besonderen Raum.
mehr...In den Kirchen wird es immer lauter. Bei gut besuchten Gottesdiensten kann man immer öfter einem Lärmpegel begegnen, der die ganze Zeit nicht verstummt. Oft wird dieser Krach verursacht durch Menschen, die an einer Taufe, Trauung oder ähnlicher Feier als Gäste dabei sind, die aber kein Gespür haben für den Gottesdienst und seinen besonderen Raum.
Auch bei uns ist es manchmal laut in der Kirche. Bei uns verleitet wohl besonders der vertraute Rahmen – man kennt sich und trifft Bekannte – dazu, noch schnell der anderen in der Reihe was zu erzählen und sich was erzählen zu lassen. Ein Problem? Ich würde eindeutig sagen: JA. Deswegen habe ich mich schon gelegentlich dazu verleiten lassen, nach dem Vorbild von Taizé ein Schild mit der Aufschrift „Stille“ in die Hand zu nehmen und mich damit schweigend vor die Gemeinde zustellen. Erst als es dann wirklich still geworden war, begann der Gottesdienst.
Dass Gemeindemitglieder sich kennen und sich was zu erzählen haben, ist toll. Es ist toll, dass die Institution des regelmäßigen Treffens nach dem Gottesdienst immer selbstverständlicher geworden ist und die Gemeinschaft gestärkt wird.
Mein Problem, das ich mit dem Schnack in der Kirche habe, liegt ganz wo anders. Ich finde es schade, wenn es ausgerechnet in der Kirche zu laut ist, weil Gott leise ist. Diese Wirklichkeit schreit nicht, dröhnt nicht, übertönt nicht. Und wenn wir zu laut sind, dann hören wir sie nicht und sagen am Ende noch dreist „Gott gibt es gar nicht“. Das ist übrigens nicht nur in der Kirche so, sondern für viele ein andauerndes Alltagsproblem. Überall und immerzu ist es so laut, voll und hektisch, dass „Gott“ nicht gehört werden kann und schlicht für abwesend gehalten wird.
Wo sollten wir lernen, uns selbst zurück zu nehmen, um Gott zu empfangen, wenn nicht in der Kirche?
Wie sollten Kinder das Geheimnis in der Kirche erspüren, wenn nicht durch Erwachsene, die da sitzen und wirklich lauschen?
In der Kirche ist Reden Silber, weil es die Gemeinschaft nährt. Schweigen aber ist mehr als Gold, weil es uns den Unsagbaren hören lässt.
Herzlich grüßt Sie und Euch
Oliver Kaiser, Pfr.
Advent durch das ganze Jahr
Der Advent ist eine Zeit der Besinnung und Einkehr – so heißt es jedenfalls immer. Aber wie sieht die Realität aus? Sind die Wochen vor Weihnachten nicht immer randvoll mit Aktivitäten und Terminen in Beruf, Familie und Freizeit? Da fällt es oft schwer, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Arbeit muss termingerecht erledigt werden, die Kinder und der Partner verlangen Aufmerksamkeit, Plätzchen müssen gebacken und die Weihnachtseinkäufe getätigt werden, dann die diversen Weihnachtsfeiern im Büro, in der Schule, im Sportverein; Termine über Termine, eine Veranstaltung jagt die nächste.
mehr...Der Advent ist eine Zeit der Besinnung und Einkehr – so heißt es jedenfalls immer. Aber wie sieht die Realität aus? Sind die Wochen vor Weihnachten nicht immer randvoll mit Aktivitäten und Terminen in Beruf, Familie und Freizeit? Da fällt es oft schwer, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Arbeit muss termingerecht erledigt werden, die Kinder und der Partner verlangen Aufmerksamkeit, Plätzchen müssen gebacken und die Weihnachtseinkäufe getätigt werden, dann die diversen Weihnachtsfeiern im Büro, in der Schule, im Sportverein; Termine über Termine, eine Veranstaltung jagt die nächste.
Vielleicht geben wir dem Advent eine größere Chance, tatsächlich eine Zeit der Besinnung für uns zu werden, wenn wir versuchen, das ganze Jahr über „adventlich“ zu leben. Der Advent eröffnet ja nicht nur die Perspektive auf Weihnachten, das ihm unmittelbar im Kirchenjahr folgt, sondern er richtet den Blick auch auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit, die zwar in unserem Glaubensbekenntnis ihren Platz hat, wohl aber weniger in unserem Bewusstsein. Es ist ja auch eine schwierige Glaubensaussage. Doch wie wäre es, wenn wir immer wieder damit rechnen würden, Christus zu begegnen, ob im Advent oder sonst irgendwann im Jahr? Vielleicht würde uns das ermöglichen, die Gelegenheiten zur Besinnung, die sich uns im Advent bieten, ganz ohne Druck und zugleich ganz bewusst an- und wahrzunehmen.
In diesem Sinne wünscht Ihnen
und Euch eine gesegnete Adventszeit
Jörn Clemens, Diakon
Pascha-Mysterium
Liebe Schwestern und Brüder,
mehr...Liebe Schwestern und Brüder,
In der dieser Fastenzeit beschäftigen wir uns an vier Gesprächsabenden mit dem „Pascha-Mysterium“. Zusammenfassend und auch für alle, die nicht dabei sein konnten, möchte ich einige Gedanken wiederholen, die ich schon einmal an dieser Stelle geäußert habe:
„Es mag ja für Jesus sehr beglückend sein, dass er vom Tod zu neuem Leben erweckt wurde. Aber hat das eigentlich mit mir was zu tun? Wenn ich mir Osterbilder der westlichen Kirche ansehe, auf denen der Auferstandene selig über dem Grab schwebt, stellt sich mir diese Frage immer ganz besonders. Schön für ihn – und ich? Man möge einem Priester diese etwas flapsige Ausdrucksweise verzeihen. Aber ich sehe bei vielen die Schwierigkeit, zu Ostern einen persönlichen, existentiellen Zugang zu bekommen. Kommt Ostern irgendwie bei mir an? Berührt das auch mein Leben? Vielleicht hat diese Schwierigkeit ein wenig zu tun mit der Art und Weise, wie wir kirchliches Feiern verstehen und missverstehen. Ostern – und auch die anderen christlichen Feste - werden meist sehr statisch aufgefasst als Erinnern bzw. Gedenken eines früher geschehenen Ereignisses, vor dem man jahrtausende später staunend steht – oder viele eben auch nicht mehr stehen, weil der Abstand einfach zu groß ist. Mir scheint, dass die frühen Christen Ostern viel dynamischer erlebten. Das fängt schon damit an, dass sie das Fest gerade nicht Ostern nannten, sondern sie feierten „Pascha“. Das deutsche Wort „Ostern“ und das verwandte „Easter“ im Englischen haben wohl eine gemeinsame germanische Herkunft und bedeuten soviel wie Aufgang (der Sonne) oder Auferstehung. Viele, viele andere Sprachen sind aber bei dem ursprünglichen Namen geblieben: Pascha. „Pascha“ ist das Fest, an dem das Volk Israel seine Befreiung aus der Versklavung in Ägypten feiert. Aber eben nicht so, dass man nur daran denkt, was früher war. Wer das Pascha feiert, soll zu allen Zeiten sich so ansehen, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen. Es geht also um Teilhabe. Es geht um mich. Ich bin mit drin. Raum dieser Realpräsenz, des Eintretens in die erlösende Dynamik Gottes, ist die Festfeier. Das gleiche gilt eigentlich auch für das Pascha der Christen, das durch das Sterben und Auferstehen Jesu Christi eine noch weitere Bedeutung erfahren hat. Wenn wir das Pascha feiern, dann ziehen wir mit Mose aus Ägypten aus in das Land der Freiheit und mit Christus gehen wir vom Tod zum Leben. Die wichtigsten Inhalte des christlichen Glaubens entfalten ihre Dynamik nicht, indem ich über sie nachgrüble, sondern indem ich sie feiere und mich in sie hinein nehmen lasse. Die Wirklichkeit, die wir Gott nennen, die Israel den Freiheitsimpuls gab und die Jesus auferweckte, diese Wirklichkeit ist für uns heute.“
Feiern wir also miteinander Pascha! Sie sind eingeladen, mit auszuziehen – ohne nasse Füße!
Herzlich grüßt Sie und Euch
Pfr. Oliver Kaiser
Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen...
Liebe Schwestern und Brüder,
mehr...Liebe Schwestern und Brüder,
Eigentlich hat es Kirchen nie gegeben. Das Christentum kennt keinen Tempel, kein Gotteshaus, kein Kultgebäude. Denn ,GOTT‘ lässt sich nicht einsperren in eine Konstruktion von Menschenhand. ,ER‘ lebt viel mehr in dem, was ,ER‘ gemacht hat, in seiner Schöpfung und besonders im Menschen, der sein Ebenbild und Tempel ist. Und selbst wenn es in der katholischen Tradition die „Weihe“ einer Kirche gibt, so ist diese doch „abgekupfert“ von dem, was eigentlich mit Menschen gefeiert wird: Die Kirche wird bei ihrer Weihe getauft und gefirmt. Es geht um Menschen, nicht um Steine.
Trotzdem haben wir in unserer Gemeinde erfahren, dass wir eine Kirche brauchten. Vielleicht haben wir damit die Entwicklung des Kirchenbaus (Treffen in privaten Häusern, Hauskirche, Kirchenhaus, Basilika) im kleinen noch einmal nachvollzogen.
Wir brauchten einen Ort, an dem wir alle Freiheiten und Möglichkeiten haben, als Gemeinde zu leben.
Fast zwei Jahre ist nun der Baubeginn unserer Kirche her, und noch viel weiter zurück liegen die ersten Planungsüberlegungen. Zwei Jahre lang waren so gut wie alle Kräfte der aktiven Gemeindemitglieder und auch von Freundinnen und Freunden im Kirchbau gebunden.
Allmählich sind es wirklich nur noch kleine Baustellenreste, und eine Fertigstellung ist abzusehen.
Ich meine, es ist Zeit, jetzt wieder den Blick zu lenken auf den eigentlichen Grund des Kirchbaus. Die gemauerten Steine, zwischen denen wir Liturgie feiern und uns begegnen, dienen der Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Sie helfen, ein geistiges Bauwerk aus lebendigen Steinen entstehen zu lassen.
Ich wünsche mir, dass in diesem Jahr viele mitreden, wenn es darum geht, unsere neuen Räume mit immer mehr Leben zu füllen. Wie wachsen wir in unserer Liebe zu Gott? Wie wachsen wir als Gemeinschaft? Wie wird unser Gemeindezentrum zur Heimat? Welche Veranstaltungen und Gruppen können jetzt entstehen?
Das Jahr der fertigen Kirche ist für mich persönlich das zehnte Jahr als Priester in Hannover. Manches ist nach so einer Zeit schon festgefahren und Gewohnheit geworden. Zudem hat der Kirchbau dazu geführt, dass ich mich um Beziehungen und pastorale Fragen wenig kümmern konnte.
Darum habe ich mir vorgenommen, in diesem Jahr – zur Verbesserung des geistigen Baus – einen pastoralen Neuanfang zu versuchen und möglichst viele von Ihnen und Euch zu Gesprächen zu besuchen. Ich möchte dabei unbefangen hören und wahrnehmen, vielleicht so wie ein junger Geistlicher, der zum allerersten Mal den Weg mit einer Gemeinde beginnt.
Natürlich freut es mich, wenn jemand in diesem Sinne auch schon auf mich zukommt und das Gespräch sucht.
Herzlich grüßt Sie und Euch
Pfr. Oliver Kaiser
Miau!
Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,
Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,
„Miau!“ Als ich vorgestern Abend im Büro arbeitete, hörte ich immer wieder Katzenlaute aus Richtung Kirche; „von den offenen Fenstern her“, dachte ich. Aber ein paar Minuten später stand die junge Katze auf einmal neben mir. „Miau!“ Wir erschraken beide ob der unerwarteten Begegnung, und weg war sie. Aber wo war sie? In der Kirche war nichts mehr zu hören. Meine Freundin, die feinere Ohren hat als ich, ortete schließlich erneutes „Miauen“ auf dem Dachboden und entdeckte die Besucherin dort. Die Frage, wie sie eigentlich hereingekommen war, erschien unbedeutend angesichts der Tatsache, dass das Tier irgendwie nicht mehr gehen wollte. Sie wirkte irritiert und ein wenig überfordert. Was macht man mit so einer Katze, die irgendwelchen Menschen bestimmt lieb und teuer ist? Ein Anruf bei der Polizei half nicht weiter. Dort hieß es, man könne Katzensachen nicht aufnehmen, und sie werde schon nach Hause finden. Und wenn es ganz ernst sei, könnte ich ja beim Tierheim anrufen. Beim Tierheim informierte mich die Ansage – es war nach 22.00 Uhr –, in Notfällen könne ich mich an eine Polizeistation wenden. Also half nur, eine eigene Entscheidung zu treffen. Da die Familie meines Bruders schon zwei süße Katzen durch Verkehrsunfälle verloren hatte, war ich mir der Tragweite der Überlegungen bewusst. Schweren Herzens wurde die Katze schließlich nach draußen geleitet, und Fenster und Türen sogleich geschlossen. Irgendwann war sie in der Dunkelheit verschwunden.
Und siehe da, am nächsten Morgen schlich sie schon wieder um das Pfarrhaus und miaute ein stolzes „Guten Morgen“, so als wollte sie sagen: „Siehst Du, ich habe es geschafft. Ich mach meinen Weg als Katze.“
Nur eine Katzenepisode. Aber irgendwie ist es mit den Menschen, die einem anvertraut sind ähnlich, ob nun als Papa, als Partner oder wer auch immer. Ich kann dem anderen seinen Weg, seine eigenen Erfahrungen nie abnehmen. Er muss selbst gehen. Ich kann ihn nur begleiten, und dann muss ich ihn lassen, auch wenn der Weg anders aussieht, als zumindest ich es für richtig hielte. Wie gut, dass ich als Glaubender den anderen nicht einfach in ein zufälliges Schicksal laufen lassen muss. Ich lasse los und vertraue ihn zugleich dem an, der sich uns bekannt macht als „ICH BIN DA“. Dass ER da ist für den anderen, ist wichtiger, als dass ich mich in alles einmische.
Auf was für Gedanken einen so ein Katzenbesuch bringen kann! Danke, Katze!
Herzlich grüßt Sie und Euch
Pfr. Oliver Kaiser
Verschiebung und Shabbat
Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,
Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,
Es war ein ganz plötzlicher Gedanke, den ich vorher noch nicht gehabt hatte. Auf einmal war er da und völlig klar und überzeugend. „Du musst die anderen fragen, ob wir das Fest der Kirchweihe nicht lieber verschieben sollen.“
Ich hatte über dem Terminplan für die nächsten Kirchbautage, die Arbeitseinsätze in Eigenleistung gebrütet. Er sollte so gestrickt werden, dass bis Anfang Oktober alles fertig wäre.
Keine Frage, es wäre möglich gewesen, denn der Berg ist geschafft. Und doch sind die vielen kleinen Baustellen im Innenbereich der Kirche (hier etwas streichen und lackieren, da etwas verfugen, an anderer Stelle etwas anschrauben) nicht zu unterschätzen. Wir hätten mindestens jeden Samstag gemeinsam arbeiten müssen – und zwar mit erheblich mehr Leuten, als in den letzten Wochen an den Arbeitseinsätzen teilnehmen konnten.
Was aber, wenn alle, einschließlich Pfarrer, nicht mehr wirklich frisch sind? Immerhin bauen wir seit mehr als einem Jahr und haben Erhebliches in Eigenleistung gestemmt.
„Du musst den Kirchweihtermin verschieben.“ Erst war ich über den Gedanken etwas erschrocken, dann empfand ich ihn befreiend und schrieb bald eine entsprechende Email an Kirchenvorstand, Bauausschuss und Kirchweihfestkomitee. Die Reaktionen waren eindeutig: „Verschieben!“ Auch der Bischof versteht es und ist einverstanden. Wir werden unsere Kirchweihe also noch nicht am 9. Oktober 2010 feiern. Ein alternativer Termin steht noch nicht fest, aber er wird gründlich gemeinsam überlegt werden.
Aus einem plötzlichen Gedanken wurde eine befreiende Entscheidung. Ich bin froh, dass niemand an der einmal gefassten Planung starr festhalten wollte. Es wird jetzt erstmal eine deutliche Verschnaufpause geben!
Dankbar kommt mir die jüdisch-christliche Tradition in den Sinn, die immer darum gewusst hat, wie wichtig das rechte Verhältnis zwischen Arbeit und Ruhe ist. Am deutlichsten ausgedrückt ist diese heilsame Ordnung in der 7-Tage-Woche, die mit dem Shabbat (7. Tag) oder Sonntag (1. Tag) einen freien Tag feiert. Übrigens ist dieser Tag nicht nur ein Ruhetag; es geht von Anfang an um das Freisein. Freisein für die Begegnung mit Gott und dem anderen Menschen. Machmal muss man sich diesen Freiraum angesichts der Übermacht der Arbeit erst wieder erkämpfen!
Ihnen und Euch allen wünsche ich eine frohe Sommer- und Urlaubszeit!
Pfr. Oliver Kaiser