Originalität der anderen

Verfasst von Oliver Kaiser am 1 September 2013 | 0 Kommentare

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

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Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

Frage mal: Können Sie fünf Stunden am Stück arbeiten oder brauchen Sie nach eineinhalb Stunden etwas Erholung und Stärkung? Putzen Sie Ihre Fenster mit einem Fensterputzer oder verwenden Sie ein spezielles Fensterputztuch? Darf es ein günstiges Fensterputzmittel sein, muss es eine Marke sein, oder schwören Sie am Ende auf die eigene Mischung aus Spiritus und Wasser?

Und was ganz anderes: Kaffee! Ja? Nein? Wenn ja: darf er mit einer Filterkaffeemaschine gebrüht sein? Darf er eine Weile in der Thermoskanne gestanden haben, oder würden Sie ihn dann nicht trinken, weil er zu bitter ist?

Streichen Sie Ihre Wände mit Biofarbe? Darf sie aus dem Baumarkt kommen, oder muss sie selbst angerührt sein aus Quark und Kreide? Oder schwören Sie ausschließlich auf Chemie, weil die am Ende doch besser hält und deckt?

Wann ist ein Kind im Gottesdienst zu laut? Wenn es ein bisschen schreit, wenn es dolle schreit oder wenn es schreit wie am Spieß?

Wie ich auf diese Fragen komme? Nun, ich bin Pfarrer einer Gemeinde in Norddeutschland, und dies ist ein ganz kleiner Einblick in die alltäglichen Fragestellungen des Gemeindelebens. Hier treffen sich Originale, Menschen mit interessanten Begabungen und Lebensphilosophien. Jeder für sich – ein Schatz! Aber wehe manchmal, wenn sie aufeinander treffen und sich einigen müssen, in den Fragen oben und noch vielen anderen.

Soll ich mich einmischen und eine Fraktion stärken? Soll ich meine eigene Philosophie (jawohl, die hab ich auch!) an die Stelle aller anderen Konkurrenten setzen?

Wir sind eine Gemeinde der Postmoderne. Uns verbindet weder Wohnort noch Milieu. Ich will damit sagen, unsere Gemeinschaft wird durch keine äußere Größe gestützt.

Uns verbindet allein, dass wir Kirche Jesu sein wollen, eine geistliche Wirklichkeit also. Da wäre es vielleicht ganz gut, wenn wir die Originalität der anderen – sie erscheint bisweilen als Verschrobenheit – als geistliches Übungsfeld verstehen.

Zwei Haltungen könnten helfen:

Dankbarkeit vor allem: Es ist klasse, dass der andere da ist und mitmacht. Auch wenn er es anders macht als ich.

Humor: Vielleicht kann ich über meine Marotte z. B. Kaffee nur aus Espressogeräten zu trinken auch mal lachen; dann ist es leichter, den gefilterten zu trinken und dem danke zu sagen, der ihn gekocht hat.

Als Dickkopf und Besserwisser weiß ich, dass das alles furchtbar schwer ist. Aber ich will es doch versuchen, damit aus eigensinnigen Topfschlägern ein schönes Orchester wird und möglicherweise Gottes Symphonie erklingt.

Oliver Kaiser, Pfr.

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@ruhe — Stille suchen im Medienzeitalter

Verfasst von Jörn Clemens am 1 June 2013 | 0 Kommentare

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Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

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Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

Vielleicht ist es Ihnen/Euch auch so gegangen wie mir nach diesem ungewöhnlich langen, kalten und dunklen Winter. Als der Frühling dann endlich da war, die Tage länger und wärmer und die Natur immer grüner wurde, da fühlte ich mich gleich ganz anders. Ich merkte, dass ich mehr Lebensenergie bekam, je heller und wärmer es wurde. Im Ablauf des Kirchenjahres fällt diese Zeit mit der Fasten- und Osterzeit zusammen. In diesem Jahr habe ich die Kar- und Ostertage mit unserer Teilgemeinde Wilhelmshaven gefeiert. Ich habe diese Tage als sehr intensiv erlebt. Für mich war es das erste Mal, dass ich die Liturgie des österlichen Triduums geleitet habe, es war auch für unsere Gemeindemitglieder in Wilhelmshaven das erste Mal, dass sie als Alt-Katholiken diese Tage erlebt haben. Es war also in mehrfacher Hinsicht eine „Premiere“. Gemeinsam haben wir in der Feier der drei Tage vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi erlebt, wie sich das Geschehen, das wir in der Liturgie feiern, mit unserem Leben verbindet, wie wir den Weg von der Dunkelheit ins Licht in unserem Leben gehen können.

Nun steht schon die Sommer- und damit die Ferienzeit vor der Tür. Viele werden die Sommerzeit nutzen, um Urlaub zu machen, zu verreisen oder auch, um zuhause auszuspannen. Diese Zeit kann für uns eine Zeit sein, in der wir besser oder leichter als in anderen Zeiten des Jahres, zur Ruhe kommen können, Zeit für uns selbst haben, Orte besuchen, die wir schon immer mal sehen wollten, ob allein oder zusammen mit anderen. Aber es kann auch einfach eine Zeit sein, um die „Seele baumeln zu lassen“, wie es so schön heißt. So kann das „Sommerloch“ mehr sein als nur eine Zeit, in der nichts passiert, was die Medienlandschaft für berichtenswert hält, außer den üblichen „Sommerlochthemen“. Ich finde, dass gerade die Reduzierung der medialen Überversorgung uns gut tun und eine Chance für uns sein kann, abzuschalten, uns aufs Wesentliche zu konzentrieren, Zeit für einander und für echte Kommunikation zu haben. Zeit, um mal wieder von „Angesicht zu Angesicht“ miteinander zu sprechen, vielleicht an einem schönen Sommerabend bei einem kühlen Getränk, und nicht nur zu „twittern“ oder zu „simsen“. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine schöne, erholsame und sonnige Sommerzeit.

Ihr/Euer
Jörn Clemens, Vikar

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Wachstum der Gemeinde

Verfasst von Oliver Kaiser am 1 March 2013 | 0 Kommentare

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Liebe Schwestern und Brüder,

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Liebe Schwestern und Brüder,

Unsere Gemeinde, die in den 60er und 70er Jahren nicht recht leben oder sterben konnte, erfährt zur Zeit einen nie gekannten Zuwachs. Allein dieser Gemeindebrief vermeldet 16 Beitritte. In Wilhelmshaven entsteht eine ganz neue Teilgemeinde. Aber auch in Hannover häufen sich die Anfragen von Interessierten und die Beitrittsgespräche. Die Frage der Kirchenzugehörigkeit beschäftigt – vor allem römisch-katholische – Menschen wie schon lange nicht mehr.

Heißt das, die allgemeinen Existenzprobleme der Kirche heute gelten für uns nicht?

Heißt das, wir haben als Alt-Katholiken den Weg in die Zukunft schon gefunden? 

Lassen wir uns nicht täuschen! Die Lage ist und bleibt ernst! Es ist ein Geschenk, dass wir Menschen mit reichen Charismen in unsere Reihen aufnehmen dürfen. Und es ist gut, dass sie bei uns eine Heimat finden, anstatt die Kirche ganz hinter sich zu lassen. Aber es muss uns bewusst bleiben, dass diese Zuwächse keine Lösung eines tieferen Kirchenproblems darstellen, das uns voll und ganz betrifft wie alle anderen Konfessionen auch: Wie können eigentlich Menschen von heute zu glauben beginnen, die damit bisher gar nichts „am Hut“ haben? Wie werden sie für Gott empfänglich? Wir profitieren im Moment fast ausschließlich von Glaubenswegen, deren Fundament anderswo gelegt wurde. Sind wir aber auch so überzeugend, dass andere neu zum Glauben kommen? Kirchenstrukturen können sich fraglos der Möglichkeit zu glauben in den Weg stellen. Sie können auch den Glauben unterstützen. Und doch liegt das eigentliche des Glaubens jenseits guter oder schlechter Strukturen, nämlich in der Erfahrung der Gottwirklichkeit und der Hinwendung zu ihr. Fastenzeit und Ostern sind jedes Jahr eine neuer Anstoß, selbst zu den Quellen zu gehen. So lade ich die ganze Gemeinde, alte und neue Mitglieder, Gäste und Sympathisanten, herzlich ein, miteinander diesen geistlichen Weg in die Zukunft zu gehen, indem wir fastend und betend und in der Feier der Ostertage uns neu von Gottes Liebe ergreifen lassen. Und ich hoffe, wir kommen mehr und mehr darüber ins Gespräch, wie wir unser eigentliches und kostbarstes Gut weitergeben.

Mit herzlichen Grüßen
Oliver Kaiser, Pfarrer

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Mach's wie Gott – werde Mensch!

Verfasst von Jörn Clemens am 13 November 2012 | 0 Kommentare

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Liebe Schwestern und Brüder,

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Liebe Schwestern und Brüder,

Mach’s wie Gott, werde Mensch!“ Dieser Satz unbekannter Herkunft, der oft zitiert wird, enthält das Geheimnis von Weihnachten und ist zudem eine Kurzformel des christlichen Glaubens. Es klingt so einfach, ja, eigentlich banal, aber es erweist sich im Leben doch immer wieder als ziemlich schwierig.  Warum soll ich denn erst Mensch werden ? Ich wurde doch als Mensch geboren und bleibe es auch mein ganzes Leben lang. Offensichtlich wird hier mit den verschiedenen Bedeutungsebenen des „Menschseins“ gespielt. In biologischer Hinsicht ein Mensch zu sein ist demnach noch nicht ein Menschsein in vollem Sinn. 

Wie aber kann ich denn ein solcher Mensch werden, der es „wie Gott macht“? In erster Linie ist es gar nicht das Ergebnis meiner eigenen Anstrengungen, ich muss mich nicht zum Menschen „hocharbeiten“, sondern den ersten Schritt macht Gott. Denn Gott nimmt in Jesus Christus menschliche Gestalt an, er verkleidet sich nicht als Mensch, sondern ist wahrhaft Mensch. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“, so klingt es in mystisch-poetischer Sprache im Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1,14a). Das heißt nichts anderes, als dass Gott „ja“ sagt zum Menschen, so wie er ist, in seinem „Fleisch“, was mehr bedeutet, als nur das Fleisch, das das Skelett umhüllt. Es bedeutet die ganze menschliche Existenz mit ihren Freuden und Leiden, aber letzten Endes vor allem mit ihrer Sterblichkeit. „Alles Sterbliche ist wie das Gras und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, wenn der Atem des Herrn darüberweht. Wahrhaftig, Gras ist das Volk“, so heißt es beim Propheten Jesaja (Jes 40, 6b.7). Sollen diese düsteren Verse unsere Vorfreude auf Weihnachten verdunkeln? Nein, das sollen sie nicht. Sie machen uns nur unmissverständlich klar, wie es um uns und unser Leben steht. Vor diesem Horizont relativiert sich manches, was uns in unserem Leben als wichtig und unverzichtbar erscheint. Das kann für jede und jeden etwas anderes sein, es kann materiell sein, wie ein schickes Auto, teurer Schmuck, das neueste Smartphone…die Liste lässt sich beliebig vervollständigen. Es kann aber auch immateriell sein, wie Erfolg, Bewunderung, Macht, Einfluss…auch diese Liste lässt sich beliebig vervollständigen. 

All das gibt uns Bestätigung, Lebensqualität, sicher; aber es kann uns auch abhängig machen. Irgendwann können wir nicht mehr ohne diese „Krücken“ für unser Ego leben. Und dann? Das Ereignis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus zeigt uns, dass Gott uns, seine Geschöpfe, nicht verloren gegeben und dem Tod anheimgegeben hat, sondern sie ins Leben führen will, in ein Leben, das unzerstörbar und nicht abhängig ist von bestimmten Faktoren, die den Wert dieses Lebens bemessen wollten. Dieses Leben ist dann auch nicht mehr durch den Tod zu zerstören, auch wenn der leibliche Tod für uns eine schmerzliche Realität bleibt, so ist ihm doch die letzte Macht, die uns verzweifeln lassen kann, genommen. Gott ist sich nicht zu schade, Menschengestalt anzunehmen und als Mensch zu leben. Das ist das Unerhörte, das Tröstende und das Befreiende an der Botschaft von Weihnachten. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“, sagt uns das Kind von Betlehem als Erwachsener zu (Joh 10,10b). In diesem Sinne wünsche ich uns eine gesegnete Zeit.

Ihr/Euer
Jörn Clemens, Vikar

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Gott Mann oder Frau?

Verfasst von Oliver Kaiser am 8 August 2012 | 0 Kommentare

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Liebe Schwestern und Brüder,

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Liebe Schwestern und Brüder,

Ist Gott Mann oder Frau? Auch wenn den meisten wohl die Antwort „weder noch“ irgendwie klar ist, gibt es doch immer wieder ein Ringen um die angemessene Sprache, wenn über Gott und zu Gott gesprochen werden soll. 

Da fällt zweifellos auf, dass in der Tradition ein ‚männlicher’ Gott überwiegt. Er ist Schöpfer, König, Herrscher, Vater. Manch einer und auch manch einem ist das zu viel. Darum wird in unserem Bistum seit etlichen Jahren bei der Erstellung oder Überarbeitung von Texten für den Gottesdienst darauf geachtet, kein einseitig männliches Gottesbild zu forcieren. Z.B. beginnen viele Gebete bewusst mit der einfachen Anrede „Gott“, die durch einen erläuternden Satz ergänzt wird.

So heißt es dann nicht mehr „Gott, Schöpfer des Alls“ oder gar „Gott, Herrscher des Alls“ sondern „Gott, du hast den Himmel und die Erde erschaffen.“ In diesem Zusammenhang „herrscht“ Gott in der alt-katholischen Gebetssprache auch meistens nicht mehr, sondern „wirkt“.

Und in der ‚Bibel in gerechter Sprache’ kann man seit 2006 zu Weihnachten sogar vom Lichtglanz der Lebendigen lesen, der die Hirtinnen und Hirten umstrahlte.

Einerseits habe ich ein Verständnis dafür, dass Menschen versuchen von Gott so zu sprechen, dass die Sprache nicht gleich zum Hindernis wird, um sich mit Gott zu beschäftigen.

Und andererseits empfinde ich doch Unbehagen darüber, wie der Mensch von heute am Herrgott ‚herumdoktert‘.

Ist das nicht hochmütig, wenn man zumindest den Anschein erweckt, Gott irgendwie näher zu kommen, indem man ihn möglichst angemessen ausdrückt?

Übrigens habe ich dieses Unbehagen nicht nur, wenn es um Gottes vermeintliches Geschlecht geht, sondern eigentlich immer, wenn Kirchenleute sehr viel über Gott wissen und sagen: „Gott macht, Gott will, Gott hat…“ 

Ist das nicht manchmal eine Art Götzendienst im Kleid des Religiösen? Eitle Wortklauberei, die auf dem geistlichen Weg nichts ist als Windhauch?

Für mich ist die alles entscheidende Frage: Bringt dich das, was du sprichst, näher zu dem, wovon du sprichst? 

Wir sprechen ja nicht von „Gott“, um einen tollen Gedanken zu formulieren. Wir sprechen von der Wirklichkeit, die wir „Gott“ nennen, damit wir sie finden und in ihr leben. Für dieses Sprechen von „Gott“ auf dem geistlichen Weg gelten eigene Regeln. Es braucht vor allem das demütige Bewusstsein, dass alles Sprechen über das Mysterium hilfloses Stammeln ist, nur ein ungenügender Wegweiser. Dieses Bewusstsein ist keine falsche Indignität, sondern notwendig für die, die in der Erkenntnis Gottes voranschreiten wollen. 

Zwar locken die vielen Begriffe und Bilder, die wir von „Gott“ kennen, uns an. Insofern sind sie auch wichtig, damit wir anfangen zu suchen, zu fragen, zu beten. Aber wenn es dann darum geht, selbst zu erfahren, wovon wir hörten oder worüber wir sprachen, dann wird jedes Wort, jeder Gedanke, jeder Wunsch zu einem Hindernis. Wir können doch schon einem Menschen nicht wirklich begegnen, wenn wir bereits vor der Begegnung mit ihm alles Mögliche über den anderen im Kopf haben. Wie dann Gott, von dem unsere vorher gemachten Auffassungen bestimmt noch viel unzulänglicher sind als die von einem anderen Menschen?

Eine neue Demut vor Gottes Unaussprechlichkeit scheint mir eigentlich viel fruchtbarer und menschlicher als der unmögliche Versuch, das Phänomen „Gott“ allen mundgerecht zu servieren.

Allen Gottsucherinnen und Gottsuchern wünsche ich reiche Erfahrungen mit der Wirklichkeit, die mit der Sprache so schwer zu nennen ist und in deren Angesicht es einem oder einer zum Glück schon mal  die Sprache verschlagen kann.

Mit herzlichem Gruß
Dekan Oliver Kaiser

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Merkwürdiger Urlaub

Verfasst von Oliver Kaiser am 1 June 2012 | 0 Kommentare

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Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,

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Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,

Urlaub ist doch eigentlich ein merkwürdiges Phänomen. Immer wieder begegnen mir Leute, die schwärmen von der tollen Zeit, von dem faszinierenden Land. Die nächste Reise ist auch schon wieder geplant, wenn gerade noch vom letzten Urlaub erzählt wird.

Und sie fügen noch hinzu, dass es auch bitter notwendig gewesen sei, mal rauszukommen, der „Akku“ sei „leer“ gewesen.

Ich kann nicht anders – ein bisschen finde ich das merkwürdig. Ich frage mich bei so viel Euphorie für ein paar Tage oder Wochen Urlaub immer: Ja, was ist denn mit der übrigen Zeit, mit dem übrigen Leben? Mögen die den Ort, an dem sie wohnen gar nicht? Haben die keine Freude an ihrer Arbeit? Und müsste man nicht vielleicht auch im Alltag so leben können, dass die unterschiedlichen Aspekte des Lebens im Gleichgewicht sind?

Mir fällt auf, dass die biblische Überlieferung das Menschenleben in andere Rhythmen bettet als in den Wechsel von Arbeitsjahr und Urlaub. Da taucht schon in der priesterschriftlichen Schöpfungsgeschichte der Rhythmus von Tag und Nacht auf. „Es wurde Abend, und es wurde morgen…“ Kann ich diesen täglichen Rhythmus von Anspannung und Entspannung noch so leben, dass ich gesund und ausgeglichen bleibe? Und dann kennt die Bibel einen ganzen freien Tag im Wechsel mit 6 Tagen der Arbeit. In der jüdischen Tradition endet die Woche mit diesem freien Tag (Shabbat), die christliche Woche setzt den freien Tag, den Tag der Auferstehung (Sonntag) sogar an den Anfang. Shabbat wie Sonntag sind dabei nicht einfach Ausruhtage, sondern sie sind Sinnfindungstage in der Begegnung mit den anderen Menschen und der Gottgegenwart in der gottesdienstlichen Feier. 

Hat dieser Rhythmus eine Kraft für mein Leben?

Nichts gegen Freude am Reisen und so weiter. Aber ich finde es langfristig doch erfolgversprechender, zuhause einen Alltag in frohmachenden Maßen zu finden und zu leben.

Eine alte Mönchsgeschichte bestärkt mich darin:

Zwei Mönche wollten den Himmel finden. Sie machten sich auf die Suche, verließen ihr Kloster und begannen eine Reise durch die ganze Welt. Nach vielen Jahren befanden sie sich in einer uralten Bibliothek, und es wurde ihnen gesagt, hinter jener Tür dort befände sich der Himmel. Sie öffneten die Tür, gingen hindurch und … waren wieder zu Hause in ihrem Kloster, von dem sie aufgebrochen waren.

Ihnen und Euch wünsche ich eine
„merk-würdige“ Urlaubszeit!

Dekan Oliver Kaiser

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Leiser Gott – laute Kirche

Verfasst von Oliver Kaiser am 23 January 2012 | 0 Kommentare

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In den Kirchen wird es immer lauter. Bei gut besuchten Gottesdiensten kann man immer öfter einem Lärmpegel begegnen, der die ganze Zeit nicht verstummt. Oft wird dieser Krach verursacht durch Menschen, die an einer Taufe, Trauung oder ähnlicher Feier als Gäste dabei sind, die aber kein Gespür haben für den Gottesdienst und seinen besonderen Raum. 

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In den Kirchen wird es immer lauter. Bei gut besuchten Gottesdiensten kann man immer öfter einem Lärmpegel begegnen, der die ganze Zeit nicht verstummt. Oft wird dieser Krach verursacht durch Menschen, die an einer Taufe, Trauung oder ähnlicher Feier als Gäste dabei sind, die aber kein Gespür haben für den Gottesdienst und seinen besonderen Raum. 

Auch bei uns ist es manchmal laut in der Kirche. Bei uns verleitet wohl besonders der vertraute Rahmen – man kennt sich und trifft Bekannte – dazu, noch schnell der anderen in der Reihe was zu erzählen und sich was erzählen zu lassen. Ein Problem? Ich würde eindeutig sagen: JA. Deswegen habe ich mich schon gelegentlich dazu verleiten lassen, nach dem Vorbild von Taizé ein Schild mit der Aufschrift „Stille“ in die Hand zu nehmen und mich damit schweigend vor die Gemeinde zustellen. Erst als es dann wirklich still geworden war, begann der Gottesdienst.

Dass Gemeindemitglieder sich kennen und sich was zu erzählen haben, ist toll. Es ist toll, dass die Institution des regelmäßigen Treffens nach dem Gottesdienst immer selbstverständlicher geworden ist und die Gemeinschaft gestärkt wird.

Mein Problem, das ich mit dem Schnack in der Kirche habe, liegt ganz wo anders. Ich finde es schade, wenn es ausgerechnet in der Kirche zu laut ist, weil Gott leise ist. Diese Wirklichkeit schreit nicht, dröhnt nicht, übertönt nicht. Und wenn wir zu laut sind, dann hören wir sie nicht und sagen am Ende noch dreist „Gott gibt es gar nicht“. Das ist übrigens nicht nur in der Kirche so, sondern für viele ein andauerndes Alltagsproblem. Überall und immerzu ist es so laut, voll und hektisch, dass „Gott“ nicht gehört werden kann und schlicht für abwesend gehalten wird.

Wo sollten wir lernen, uns selbst zurück zu nehmen, um Gott zu empfangen, wenn nicht in der Kirche? 

Wie sollten Kinder das Geheimnis in der Kirche erspüren, wenn nicht durch Erwachsene, die da sitzen und wirklich lauschen?

In der Kirche ist Reden Silber, weil es die Gemeinschaft nährt. Schweigen aber ist mehr als Gold, weil es uns den Unsagbaren hören lässt.

Herzlich grüßt Sie und Euch
Oliver Kaiser, Pfr.

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Advent durch das ganze Jahr

Verfasst von Jörn Clemens am 8 December 2011 | 0 Kommentare

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Der Advent ist eine Zeit der Besinnung und Einkehr – so heißt es jedenfalls immer. Aber wie sieht die Realität aus? Sind die Wochen vor Weihnachten nicht immer randvoll mit Aktivitäten und Terminen in Beruf, Familie und Freizeit? Da fällt es oft schwer, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Arbeit muss termingerecht erledigt werden, die Kinder und der Partner verlangen Aufmerksamkeit, Plätzchen müssen gebacken und die Weihnachtseinkäufe getätigt werden, dann die diversen Weihnachtsfeiern im Büro, in der Schule, im Sportverein; Termine über Termine, eine Veranstaltung jagt die nächste.

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Der Advent ist eine Zeit der Besinnung und Einkehr – so heißt es jedenfalls immer. Aber wie sieht die Realität aus? Sind die Wochen vor Weihnachten nicht immer randvoll mit Aktivitäten und Terminen in Beruf, Familie und Freizeit? Da fällt es oft schwer, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Arbeit muss termingerecht erledigt werden, die Kinder und der Partner verlangen Aufmerksamkeit, Plätzchen müssen gebacken und die Weihnachtseinkäufe getätigt werden, dann die diversen Weihnachtsfeiern im Büro, in der Schule, im Sportverein; Termine über Termine, eine Veranstaltung jagt die nächste.

Vielleicht geben wir dem Advent eine größere Chance, tatsächlich eine Zeit der Besinnung für uns zu werden, wenn wir versuchen, das ganze Jahr über „adventlich“ zu leben. Der Advent eröffnet ja nicht nur die Perspektive auf Weihnachten, das ihm unmittelbar im Kirchenjahr folgt, sondern er richtet den Blick auch auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit, die zwar in unserem Glaubensbekenntnis ihren Platz hat, wohl aber weniger in unserem Bewusstsein. Es ist ja auch eine schwierige Glaubensaussage. Doch wie wäre es, wenn wir immer wieder damit rechnen würden, Christus zu begegnen, ob im Advent oder sonst irgendwann im Jahr? Vielleicht würde uns das ermöglichen, die Gelegenheiten zur Besinnung, die sich uns im Advent bieten, ganz ohne Druck und zugleich ganz bewusst an- und wahrzunehmen.

In diesem Sinne wünscht Ihnen
und Euch eine gesegnete Adventszeit
Jörn Clemens, Diakon

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Pascha-Mysterium

Verfasst von Oliver Kaiser am 31 March 2011 | 0 Kommentare

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Liebe Schwestern und Brüder,

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Liebe Schwestern und Brüder,

In der dieser Fastenzeit beschäftigen wir uns an vier Gesprächsabenden mit dem „Pascha-Mysterium“. Zusammenfassend und auch für alle, die nicht dabei sein konnten, möchte ich einige Gedanken wiederholen, die ich schon einmal an dieser Stelle geäußert habe:

„Es mag ja für Jesus sehr beglückend sein, dass er vom Tod zu neuem Leben erweckt wurde. Aber hat das eigentlich mit mir was zu tun? Wenn ich mir Osterbilder der westlichen Kirche ansehe, auf denen der Auferstandene selig über dem Grab schwebt, stellt sich mir diese Frage immer ganz besonders. Schön für ihn – und ich? Man möge einem Priester diese etwas flapsige Ausdrucksweise verzeihen. Aber ich sehe bei vielen die Schwierigkeit, zu Ostern einen persönlichen, existentiellen Zugang zu bekommen. Kommt Ostern irgendwie bei mir an? Berührt das auch mein Leben? Vielleicht hat diese Schwierigkeit ein wenig zu tun mit der Art und Weise, wie wir kirchliches Feiern verstehen und missverstehen. Ostern – und auch die anderen christlichen Feste - werden meist sehr statisch aufgefasst als Erinnern bzw. Gedenken eines früher geschehenen Ereignisses, vor dem man jahrtausende später staunend steht – oder viele eben auch nicht mehr stehen, weil der Abstand einfach zu groß ist. Mir scheint, dass die frühen Christen Ostern viel dynamischer erlebten. Das fängt schon damit an, dass sie das Fest gerade nicht Ostern nannten, sondern sie feierten „Pascha“. Das deutsche Wort „Ostern“ und das verwandte „Easter“ im Englischen haben wohl eine gemeinsame germanische Herkunft und bedeuten soviel wie Aufgang (der Sonne) oder Auferstehung. Viele, viele andere Sprachen sind aber bei dem ursprünglichen Namen geblieben: Pascha. „Pascha“ ist das Fest, an dem das Volk Israel seine Befreiung aus der Versklavung in Ägypten feiert. Aber eben nicht so, dass man nur daran denkt, was früher war. Wer das Pascha feiert, soll zu allen Zeiten sich so ansehen, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen. Es geht also um Teilhabe. Es geht um mich. Ich bin mit drin. Raum dieser Realpräsenz, des Eintretens in die erlösende Dynamik Gottes, ist die Festfeier. Das gleiche gilt eigentlich auch für das Pascha der Christen, das durch das Sterben und Auferstehen Jesu Christi eine noch weitere Bedeutung erfahren hat. Wenn wir das Pascha feiern, dann ziehen wir mit Mose aus Ägypten aus in das Land der Freiheit und mit Christus gehen wir vom Tod zum Leben. Die wichtigsten Inhalte des christlichen Glaubens entfalten ihre Dynamik nicht, indem ich über sie nachgrüble, sondern indem ich sie feiere und mich in sie hinein nehmen lasse. Die Wirklichkeit, die wir Gott nennen, die Israel den Freiheitsimpuls gab und die Jesus auferweckte, diese Wirklichkeit ist für uns heute.“

Feiern wir also miteinander Pascha! Sie sind eingeladen, mit auszuziehen – ohne nasse Füße!

Herzlich grüßt Sie und Euch

Pfr. Oliver Kaiser

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Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen...

Verfasst von Oliver Kaiser am 1 February 2011 | 0 Kommentare

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Liebe Schwestern und Brüder,

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Liebe Schwestern und Brüder,

Eigentlich hat es Kirchen nie gegeben. Das Christentum kennt keinen Tempel, kein Gotteshaus, kein Kultgebäude. Denn ,GOTT‘ lässt sich nicht einsperren in eine Konstruktion von Menschenhand. ,ER‘ lebt viel mehr in dem, was ,ER‘ gemacht hat, in seiner Schöpfung und besonders im Menschen, der sein Ebenbild und Tempel ist. Und selbst wenn es in der katholischen Tradition die „Weihe“ einer Kirche gibt, so ist diese doch „abgekupfert“ von dem, was eigentlich mit Menschen gefeiert wird: Die Kirche wird bei ihrer Weihe getauft und gefirmt. Es geht um Menschen, nicht um Steine.

Trotzdem haben wir in unserer Gemeinde erfahren, dass wir eine Kirche brauchten. Vielleicht haben wir damit die Entwicklung des Kirchenbaus (Treffen in privaten Häusern, Hauskirche, Kirchenhaus, Basilika) im kleinen noch einmal nachvollzogen.

Wir brauchten einen Ort, an dem wir alle Freiheiten und Möglichkeiten haben, als Gemeinde zu leben.

Fast zwei Jahre ist nun der Baubeginn unserer Kirche her, und noch viel weiter zurück liegen die ersten Planungsüberlegungen. Zwei Jahre lang waren so gut wie alle Kräfte der aktiven Gemeindemitglieder und auch von Freundinnen und Freunden im Kirchbau gebunden.

Allmählich sind es wirklich nur noch kleine Baustellenreste, und eine Fertigstellung ist abzusehen.

Ich meine, es ist Zeit, jetzt wieder den Blick zu lenken auf den eigentlichen Grund des Kirchbaus. Die gemauerten Steine, zwischen denen wir Liturgie feiern und uns begegnen, dienen der Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Sie helfen, ein geistiges Bauwerk aus lebendigen Steinen entstehen zu lassen.

Ich wünsche mir, dass in diesem Jahr viele mitreden, wenn es darum geht, unsere neuen Räume mit immer mehr Leben zu füllen. Wie wachsen wir in unserer Liebe zu Gott? Wie wachsen wir als Gemeinschaft? Wie wird unser Gemeindezentrum zur Heimat? Welche Veranstaltungen und Gruppen können jetzt entstehen?

Das Jahr der fertigen Kirche ist für mich persönlich das zehnte Jahr als Priester in Hannover. Manches ist nach so einer Zeit schon festgefahren und Gewohnheit geworden. Zudem hat der Kirchbau dazu geführt, dass ich mich um Beziehungen und pastorale Fragen wenig kümmern konnte.

Darum habe ich mir vorgenommen, in diesem Jahr – zur Verbesserung des geistigen Baus – einen pastoralen Neuanfang zu versuchen und möglichst viele von Ihnen und Euch zu Gesprächen zu besuchen. Ich möchte dabei unbefangen hören und wahrnehmen, vielleicht so wie ein junger Geistlicher, der zum allerersten Mal den Weg mit einer Gemeinde beginnt.
Natürlich freut es mich, wenn jemand in diesem Sinne auch schon auf mich zukommt und das Gespräch sucht.

Herzlich grüßt Sie und Euch

Pfr. Oliver Kaiser

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Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle das ewige Leben haben · Jh 3,16